Kind und Hund


   
Kinderfreundliche Hunde gibt es nur bei hundefreundlichen Kindern!
 
 
Leider gibt es jedoch immer wieder Unannehmlichkeiten, die  durch Missverständnisse zwischen Kind und Hund entstehen.
Zum besseren Verständnis hier eine kleine Geschichte von Martin Gaus:
 
 
Wenn ein Hund warnend knurrt, weil er dem Kind etwas nicht begreiflich machen kann, ist der Hund der Böse, nie das Kind. Eltern behaupten oft, dass ihr Kind nie etwas falsch macht. War das Kind immer nett zum Hund?
 
Vielleicht, aber ich bezweifele das. Kleine Kinder sind nie nett zu Hunden. Das waren sie nie, und das werden sie auch nicht sein. Warum sonst führt der TNO umfangreiche Sicherheitstests an allen Kinderspielzeugen mit zu 15 kg Belastung durch? Warum müssen alle Augen an Puppen und Teddybären besonders sicher befestigt sein, damit Kinder sie nicht herausziehen können? Warum sagen Eltern ständig „ sanft, sanft“, wenn Kinder mit Tieren oder kleineren Geschwistern umgehen? Weil kleine Kinder sosehr darauf achten behutsam zu sein? Wohl nicht. Ganz einfach – gesunde kleine Kinder wollen – wie gesunde, kleine Tiere – etwas entdecken. Sie nehmen mit Vorliebe alles auseinander, was sich zerlegen lässt. Das Problem fängt nicht in der Wiege an. Solange der kleine Knirps brav im Laufstall liegt und noch nicht krabbelt, kann nicht viel passieren. Allerdings bieten schon Laufställe überraschende Erlebnisse. Es kann vorkommen , dass Dusty neugierig seine nasse Nase durch die Gitterstäbe steckt und ..... patsch, mit einem harten, vollen Schlag auf die Nase belohnt wird. Dusty weiß nun, dass Ärger vorprogrammiert ist. Aber ernst wird es erst, wenn der Kleine zu krabbeln anfängt.
 
Von den ersten Schritten ganz zu schweigen. Hier kommt Junior. Ziemlich wacklig noch, in Babysprache vor sich hinbrabbelnd – über den Hund; dabei sind die Ohren oder das Fell zum Festhalten. Der Kleine versucht mal spielerisch den Finger ins Auge zu stecken. Schließlich sieht das Hundeauge ja aus wie das vom Teddy – ist auch festgemacht?
 
Der Kleine spielt mit Dustys Spielzeug. Wenn Mami meint, dass Dustys Spielsachen schmutzig sind, versteckt sie sie. Jetzt findet Dusty seinen Lieblingsknochen oder seinen Ball nicht mehr. Aber Dusty darf nie mit Babys Spielsachen spielen. Das ist auch eine schmutzige Angelegenheit. Dusty wird ausgeschimpft. Dusty liegt in seiner Ecke. Von da aus kann er die Situation in Ruhe beobachten. Aber der Kleine hat keine Ahnung, dass Dusty nicht spielen will, wenn er in seiner Ecke liegt. Da kommt er über den Boden gekrochen, oder mit seinen kurzen Beinen dahergewackelt. Dusty will ihn warnen und knurrt. Aber der Knirps kommt, vor Vergnügen quiekend, immer näher. Er weiß nicht, was los ist. Dusty knurrt lauter und sucht nach einem Ausweg. Die Lage gefällt ihm nicht. Aber aus seiner Ecke kommt er schwer heraus.
 
Eine Hundedecke ist normalerweise ein geschützter Platz. Wenn jetzt niemand eingreift und das Kind dazu bringt, in eine andere Richtung weiter zu krabbeln, bleibt Dusty nur eine Wahl: Beißen. Was soll er sonst tun? Er hat gewarnt, aber ohne Erfolg. Also muss er sich klarer ausdrücken. Darf er das ? Ein Kind sollte in der menschlichen Wertskala höher stehen als der Hund. Aber auf einen ängstlichen Hund, der nicht ordentlich ausgebildet ist, wirkt das Kind äußerst furchterregend. Weil sich das Kind ihm nähert, ist es automatisch untergeordnet. Nach Dustys Konditionierung nähert sich der Rangniedere dem Ranghöheren. Das Kind muss gehorchen. Tut es das nicht, wird es bestraft! Jetzt kommt das Schlimmste:
 
Die „Unterwerfungsgesten“ des Kindes sind völlig verkehrt: es legt sich nicht winselnd auf den Boden, es zeigt nicht Rücken und Gurgel, wendet nicht das Gesicht ab und liegt auch nicht bewegungslos! Also ist das Kind gestört, jedenfalls nach Dustys Verständnis. Weitere Maßnahmen sind erforderlich. Weitermachen, bis das Kind sich nicht mehr bewegt. Dusty greift zur „Ausdrucksweise“ der Hunde zurück. Dusty wird später für verrückt empfunden und zweifellos zum Tode verurteilt. Es scheint absolut logisch und verständlich, und trotzdem... Weil ein Kind sich niemals psychisch oder physisch gegenüber einem Hund durchsetzen kann, kann es nicht höher stehen als der Hund. Aber man kann es mit der Hundesprache versuchen: Der Rangniedrige nähert sich dem Ranghöheren. Das Kind sollte lernen nicht mehr auf den Hund zuzugehen. Wenn das Kind die Regel einhält (natürlich muss es alt genug sein, um dies zu verstehen), werden Sie feststellen, dass der Hund das Kind aufsucht. Jetzt ist der Hund der Untergeordnete und wird dem Kind nichts zuleide tun. So kann man verhindern, dass der Hund das Kind anknurrt oder beißt.
 
 
Selbstverständlich funktioniert diese Methode auch, wenn Sie selbst Hierarchieprobleme mit dem Hund haben.
Gehen Sie niemals zu einem Hund hin: Rufen Sie den Hund, wenn Sie ihn brauchen.